Pressespiegel

Der Pressespiegel sammelt Medienberichte über den Kreisverband Fürth und Fürth-Land.

 

Fürther Nachrichten – 05.10.12 22:00 Uhr – Max Söllner

Fürths Piraten machen mobil

FÜRTH – Das Superwahljahr 2013 wirft seine Schatten voraus: Immer mehr lokale Parteien bestimmen ihre Kandidaten für die Bundestags-, Landtags-, und Bezirkstags-Urnengänge. Auch die Mitglieder der Piratenpartei haben jetzt entschieden, mit welchen Freibeutern sie in den kommenden zwölf Monaten Fahrt aufnehmen wollen.


Sie wollen nächstes Jahr Fahrt in Richtung bayerische Parlamente aufnehmen: die frisch gekürten Piraten-Kandidaten Walter Stark, Hilmar Vogel, Ludwig Schröer und Raphael Rosenberg (von links nach rechts).

Rund 25 von ihnen fanden sich in den Räumen des Internationalen Bunds in der Fürther Karolinenstraße ein, um in zwei Stimmkreisen ihre Direktkandidaten für Landtag und Bezirkstag aufzustellen. Bis auf eine Ausnahme wurden alle Stimmkreisbewerber ohne Gegenstimmen gewählt. Zu einer Kampfabstimmung um den Landtagsplatz kam es im Stimmkreis Fürth, der auch Stein, Oberasbach und Zirndorf umfasst: Hilmar Vogel konnte sich im ersten Durchgang mit 9 zu 1 Stimmen gegen Jürgen Acker durchsetzen.

Der 39-jährige Gymnasiallehrer aus der Kleeblattstadt will vor allem im Bildungssektor Akzente setzen. Vogel kritisiert die in seinen Augen mangelnde Chancengleichheit des bayerischen Bildungssystems und schlägt vor, „alternative Schulideen“ zu fördern. Im Laufe der Zeit könnten die verschiedenen Schularten dann „verbessert, um- und ausgebaut werden“.

Unterdessen wurde Ludwig Schröer als Kandidat für den Bezirkstag aufgestellt. Dort möchte der 57-jährige Unternehmensberater die Bezirkskliniken reformieren; seine weiteren Schwerpunkte sieht der Wilhermsdorfer im sozialen Bereich.

Auch für den Stimmkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, Fürth Land wählten die versammelten Piraten ihre Direktkandidaten: Raphael Rosenberg (26), Fachinformatiker aus Fürth, darf um den Einzug in den Landtag kämpfen. Er selbst bezeichnet sich als „Kernie“ — gemeint sind damit Piraten, die vor allem für Bürgerrechte, Datenschutz und Privatsphäre einstehen. Mit diesen Ursprungsthemen erlangte die Partei bundesweit Bekanntheit. Rosenbergs Wahlziel? „Traumhaft wären sechs bis sieben Prozent im immer noch tiefschwarzen Bayern.“

Keinem der gängigen Klischees entspricht dagegen der Bezirkstagskandidat Walter Stark aus Langenzenn. Der 55-jährige Landwirt in Rente bringt als Teichbesitzer und Mitglied in der Jagdgenossenschaft ein für die Piraten bislang eher unbeackertes Feld ins Spiel: Er will das Waffenrecht liberalisieren, um vorhandene Einschränkungen für Jäger und Sportschützenvereine abzubauen.

Gut zwei Jahre ist es her, dass sich lokale Piraten zum Kreisverband Fürth zusammengeschlossen haben. Bei einer Landtagswahl waren sie noch nie dabei. „Natürlich wollen wir etwas anders machen“, kündigt der frischgebackene Landtagskandidat Rosenberg an und verspricht einen Wahlkampf, der sich von dem der etablierten Parteien unterscheiden werde.

Zuvor stellen die Piraten Mitte Oktober aber noch ihre Wahlkreisliste für die Landtags- und Bezirkswahl auf. Da alle gewählten Direktkandidaten automatisch gesetzt sind, dürfte dabei das Feilschen um die aussichtsreichsten Listenplätze im Vordergrund stehen. Bereits im Juli war Rene Brosig als Direktkandidat im Wahlkreis Fürth für die ebenfalls im September 2013 stattfindende Bundestagswahl nominiert worden. Brosig war schon Vorstandsmitglied und Schatzmeister der Piraten auf Bundesebene.


Fürther Nachrichten – 10.09.12 13:00 Uhr – Beate Dietz

Frischer Wind in die alte Demokratie

FÜRTH LAND – Während die etablierten Parteien über Mitgliederschwund klagen, freuen sich die noch jungen Piraten über Zulauf. Rund 175 Mitglieder hat der vor zwei Jahren gegründete Kreisverband Fürth und Fürth Land, 65 davon stammen aus dem Landkreis. Einer von ihnen ist Alexander Meyer, 24-jähriger Elektrotechnikstudent aus Oberasbach.

Herr Meyer, wären Sie auch politisch aktiv geworden, wenn es die Piraten nicht gäbe?

Alexander Meyer: Ich denke schon. Bevor ich zu den Piraten ging, habe ich mich bei den Grünen, der FDP und SPD informiert. Doch das scheiterte alles an irgendwelchen Terminabsprachen, es war sehr langwierig, an die Informationen zu kommen.

War das bei den Piraten anders?

Meyer: Ja, da konnte man sich sofort einbringen. Ich bin nicht in den Kreisvorstand gewählt, aber ich helfe, wo es geht. Wenn die Belastung durch das Studium geringer wird, kann ich mir vorstellen, mich auch für ein Wahlamt zur Verfügung zu stellen. Ich finde es gut, dass die Hierarchien flach sind. Keiner muss einen Posten haben, um mitreden zu können.

Piraten sind Nerds, Menschen, die nur in Notfällen ihren Platz vor dem PC verlassen. Sie geraten in Panik, wenn sie mal kein Netz haben …

Meyer: … nicht zu vergessen wir sind frauenfeindlich und rechtsradikal.

Wie oft werden Sie mit solchen Vorurteilen konfrontiert?

Meyer: Das kommt schon hin und wieder vor, das sind wie gesagt Vorurteile. Wir treffen uns zum Beispiel regelmäßig in der Fürther Kofferfabrik, da kann jeder, egal ob Pirat, parteilos oder in einer anderen Partei, Jung oder Alt, Mann oder Frau vorbeischauen und mitreden, ganz real. Und es gibt sogar einen älteren Besucher unseres Stammtisches, der regelmäßig mitdiskutiert und nicht einmal einen Computer hat. Er hat einfach keine Lust, sich mit dem Internet auseinanderzusetzen. Wir wären doch blöd, wenn wir die Lebenserfahrung solcher Leute nicht nutzen würden, nur weil bei ihnen kein PC zu Hause steht.

Zugang zum Internet, digitale Kommunikation, Datenschutz, Urheberrechte — das sind aber doch die Themen, mit denen die Piraten auffallen. Was interessiert Sie darüber hinaus?

Meyer: Ganz wichtig ist unser Verständnis von Demokratie. Es geht viel weiter, als das heute gelebt wird. Wir verstehen nicht darunter, dass es reicht, alle paar Jahre ein Kreuzchen zu machen. Wir wollen, dass die Bürger viel häufiger gefragt werden und gleichberechtigt mit Politikern mitbestimmen können.

Wenn es um Fragen wie beispielsweise den Euro-Rettungsschirm geht, dann könnten die meisten Bürger schon Probleme haben, fachlich fundiert mitzureden.

Meyer: Das stellen wir auch fest. Um wirtschaftspolitische Fragen geht es derzeit bei unseren Treffen häufig. Hier müssen wir uns noch Kompetenzen erarbeiten. Dafür haben wir eigens Arbeitskreise eingerichtet. Bei uns ist jeder willkommen, der sein Wissen einbringen will.

Womit wollen die Piraten auf kommunalpolitischer Ebene punkten?

Meyer: Wir maßen uns nicht an, zu jedem Projekt auf lokaler Ebene eine Meinung zu haben. Aber unser Tool „Adhocracy“ ist hier sehr nützlich.

Adhocracy? Das müssen Sie erläutern.

Meyer: Das ist eine Software, die eigens dafür entwickelt wurde, damit jeder teilhaben kann: Vorschläge machen, mitdiskutieren oder abstimmen und Entscheidungen vorantreiben. Hier können sich auch Bürger aus den Gemeinden melden und ein Problem vor Ort schildern. Das kann eine Bürgerinitiative sein, aber auch ein Einzelner. Wir sehen uns das an, tauschen uns aus, stimmen darüber ab. Das entspricht meinem Demokratieverständnis.

Im Landkreis möchten die Piraten einen Stammtisch in Wilhermsdorf etablieren. Wie ist das erste Treffen gelaufen?

Meyer: Wilhermsdorf ist eher klein und ziemlich weit außerhalb. Mit viel Interesse hatten wir nicht gerechnet, und das blieb auch aus. Trotzdem gibt es auch dort aktive Piraten mit dem Plan, die Verwaltung transparenter zu machen und den Bürgern mehr Mitbestimmung zu ermöglichen. Es gibt momentan die Idee, in anderen Gemeinden Stammtische zu etablieren — wie immer bei uns hängt es einfach von den Bürgern ab, ob sie sich überhaupt beteiligen wollen.


Fürther Nachrichten – 18.05.12 – Claudia Ziob

„Zensursula“ und die Fürther Piraten

FÜRTH – Piraten, die Politik machen, gibt es mittlerweile in vielen Ländern, in vier Landesparlamenten — und auch in Fürth. Hier leben zum Beispiel Alexander Wunschik, ein Pirat der Anfangszeit, und Florens Dölschner, der für die Organisation des Bundesparteitags verantwortlich war. Wir trafen Vertreter des 150 Mitglieder starken Kreisverbands zum Kennenlerngespräch.

Doch zunächst soll es um etwas anderes gehen: die Anfänge. Dölschner wurde 2009, im Vorfeld der Europawahl, aufmerksam auf die Partei. Das Programm fand er interessant, die Piraten bekamen sein Kreuzchen. Heute gehört der 26-Jährige, der als Software-Entwickler arbeitet, zu den engagiertesten Mitgliedern. Hunderte von Mails bekommt er jeden Tag. Er hat gelernt, auszusortieren, was ihn nicht interessiert.

Jüngst sorgte er dafür, dass der Bundesparteitag in Neumünster reibungslos über die Bühne ging. Tagelang sah sie ihn nur noch kurz beim Essen, erzählt Ehefrau Corinna Dölschner (29), selbst Piratin. In Neumünster war sie dabei: „Ein Wahnsinnserlebnis!“ Toll sei es gewesen, Leute zu treffen, die man nur aus dem Internet kannte.

Das Jahr 2009 war entscheidend für die Piraten in Deutschland, sagt Alexander Wunschik (32), der schon viel länger dazugehört: „Damals war Zensursula, da ist das alles explodiert.“ Zensursula: Mit diesem Spitznamen wurde die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen bedacht, die Internetseiten sperren lassen wollte. Was als Maßnahme gegen Kinderpornografie gedacht war, rief den Protest der Netzgemeinde hervor, die Bürgerrechte in Gefahr sah. Danach, erzählt Wunschik, kamen immer mehr Menschen aus dem Großraum zum Stammtisch, den er mit zwei Bekannten ins Leben gerufen hatte. Wenig später wurde der Bezirksverband gegründet, 2010 der Kreisverband Fürth.

Wunschik, der sein Geld als IT-Berater verdient, dürfte einer der ersten Piraten in Bayern gewesen sein: Sein Mitgliedsausweis trägt die Nummer 412 — mehr als 30000 sind mittlerweile bundesweit ausgestellt. Er hatte nie vor, Politik zu machen, sagt er: „Ich konnte aber keine der anderen Parteien mit gutem Gewissen wählen.“ Die neue Partei sprach ihn an: „Ich finde den Gedanken gut, dass unsere Generation theoretisch alles ändern könnte.“
Wunschik wurde Bezirksvorsitzender und Kandidat für die Bundestagswahl. In Fürth bekam er 2,8 Prozent. Viel hat sich seitdem geändert. „Jahrelang haben sie nur über uns gelacht“, sagt Wunschik und meint: Politiker, Journalisten und Wähler, die heute über die Erfolge und den Zulauf der Piraten staunen. „Da ist echt viel Energie. Leute, die sich nie für Politik interessiert haben oder gefrustet waren, sehen jetzt ’ne Chance.“

„Losgekoppelt von Herkunft und Aussehen wird man für seine Ideen wertgeschätzt“, das gefällt Friederike Wunschik (30), die Kulturwissenschaften studiert hat. Spannend sei es, sich in Themen einzuarbeiten — und zu merken, „dass das Mitmachen, das Mündiger-Bürger-Sein Arbeit bedeutet“.

Wie viel Zeit für die Piraten drauf geht? So genau, sagen alle, könne man das nicht beantworten. Der regelmäßige Blick ins Internet gehöre zu ihrem Leben. „Der Rechner ist immer an“, sagt Corinna Dölschner. Kleine Pausen am Tag werden genutzt, um E-Mails oder Artikel zu lesen. „Eine halbe bis eine Stunde“ am Tag opfert Alexander Wunschik zurzeit der Partei — als er noch zum Bezirksvorstand gehörte, sei es deutlich mehr gewesen.

Das Internet, sagt er, sei „die größte Chance der Menschheit seit Hunderten von Jahren“. Bald könnten alle Menschen Zugriff auf Bildung haben. Man spürt, dass ihn die Vision antreibt.

Visionen für Fürth werden gerade entwickelt. Kommunalpolitisch stehe der Kreisverband noch am Anfang, gesteht die Gruppe. Man sei dabei, Themen zu finden. Über die Internetplattform http://piratenfuerth.adhocracy.de könne sich jeder — egal ob Pirat oder nicht — daran beteiligen. Auch beim Stammtisch in der Kofferfabrik werden Ideen ausgetauscht.

In Zukunft könnte es so aussehen, sagt Corinna Dölschner: Unter den Müttern, die etwa auf einem Kinderspielplatz stehen und ins Diskutieren kommen, könnte eine Piratin sein, die, „während die Kinder buddeln, die Vorschläge ins iPhone tippt“. Apropos Internet: „Ich werfe mal kurz ein Update ein“, sagt Florens Dölschner. „Der Altersdurchschnitt der Piraten liegt zurzeit bei 40.“


Fürther Nachrichten – 10.7.2010 – Wolfgang Händel

Der OB startet durch, die Piraten legen an

Thomas Jung macht Karriere in der Tagesschau – Eine neue Partei am Start

Der OB startet durch, die Piraten legen an Wenn es Fürth einmal bis in eines der Nachrichten-Flaggschiffe deutscher Fernsehsender schafft, dann ist meistens Spektakuläres passiert. Und meistens – an dieser Erkenntnis führt leider kein Weg vorbei – ist es Spektakuläres mit mehr oder minder unangenehmem Beigeschmack. Oder haben Sie in der Tagesschau schon mal einen Beitrag über die Fürther Jubiläumsfeierlichkeiten gesehen? Oder über die Fürther Kärwa?

Dafür, das kann ihr keiner abspenstig machen, erwarb sich zum Beispiel Gabriele Pauli mit allerlei tolldreisten Kapriolen exorbitante Verdienste um die Erwähnung des Namens Fürth in Nachrichtensendungen landauf, landab; von geglückten Ministerpräsidentenstürzen bis hin zu missglückten Modelauftritten reichte ihr Repertoire. Respekt.

Am Donnerstagabend nun hat auch der Rathauschef aus Fürth die höheren Weihen der Nachrichtenlandschaft erfahren. Und, richtig, es ging um wenig Erfreuliches: Die Tagesschau machte die dramatische Finanznot der Kommunen und Pläne der Bundesregierung zum Thema, auch noch den Geldhahn zuzudrehen, aus dem die Gewerbesteuer tröpfelt. Dazu äußern durfte sich Thomas Jung – und selbst bei der städtischen Pressestelle hatte am Tag danach niemand eine Antwort auf die Frage, wie die Tagesschau-Redaktion auf Fürth verfallen war.

Egal, Jung jedenfalls nutzte seine mediale Chance prächtig und sprach vor der Sanierungskulisse des Burgfarrnbacher Schlosses furchtlos ins ARD-Mikrofon: Ohne die Steuer sei der Ofen aus, gebe es keine Investitionen mehr in der Stadt, drohe »Stillstand, wenn nicht gar Niedergang«. Aufmerksame FN-Leser wussten das zwar schon, nun aber dürfte auch das vor deutschen Mattscheiben versammelte Fernsehvolk wachgerüttelt sein. Von Flensburg bis Garmisch weiß seither jeder: In Fürth, da wird Klartext geredet.

Doch vielleicht naht Rettung von einer Fregatte, die bisher noch an der Kleeblattstadt vorbeisegelte. Dieser Tage ging die Piratenpartei in Fürth vor Anker und gründete einen eigenen Kreisverband. Piratenpartei? Genau, das ist jene bunte Truppe, die sich vor allem Freiheit, Bürgerrechte und Datenschutz auf ihre Fahnen geschrieben hat. 87 Mitglieder fanden das in Fürth auf Anhieb ziemlich prickelnd. Das klingt nach wenig, doch man muss wissen: Manche im Fürther Stadtrat vertretene Kleinpartei wäre über diese Zahl registrierter Mitstreiter verzückt.

Ob der Achtungserfolg darauf hindeutet, dass die Piraten auch bald das kommunalpolitische Parkett im Rathaus entern können – man weiß es nicht. Als eine der wichtigsten Aufgaben bezeichnete es der Fürther Vorsitzende Roland Albert, »vor Ort präsent zu sein und das Gespräch mit den Fürther Bürgerinnen und Bürgern zu suchen«. Das ist doch schon mal was.