Netz-Aktivisten installieren flächendeckendes Internet für Asylbewerber in Zirndorf

Unterstützt von der Piratenpartei Fürth hat eine losen Gruppe, die  sich „Freifunk-Franken“ nennt, die zentrale Aufnahmeeinrichtung Fürth  mit besserem Internet versorgt um damit zur Verbesserung der  Lebensbedingungen dort beizutragen.

Ende des Jahres war die zentrale Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in  Zirndorf übervoll [1],[2]. Alexander Wunschik Pirat und Freifunker aus  Fürth hat sich ein Bild von der Lage gemacht: „Es sind erstaunlich viele  oft junge Leute, die alleine und von der Familie getrennt hier unter  miserablen Bedingungen, in einer Art ‚offenem Vollzug‘ leben müssen. Das  Internet – für uns so selbstverständlich – ist dort meist der einzige  Weg um Nachrichten aus der Heimat zu bekommen oder mit der Familie  Kontakt aufzunehmen.“

Es wird zwar Internet und einen kleiner Computerraum zu Verfügung  gestellt, der reicht aber nicht mal ansatzweise für diese Menge an  Menschen. Viele versuchen daher mit mitgebrachten oder extra für diesem  Zweck gekauften Smartphone und Laptops eine Verbindung über das  existierenden WLAN aufzubauen. Dafür ist diese Technik aber nicht  ausgelegt und der Zugriff funktionierte nur im Freien und nur in einem  Umkreis von wenigen Metern um den Computerraum herum. Dies führte dazu,  dass einige Bewohner vor dem offenen Fenster sitzend versuchten noch ein  wenig von dem Signal zu erhaschen. Kein Vergnügen bei Minusgraden oder  Regen.

Nachrichtensendungen aus der Heimat und Videochat mit der Familie sind  wohl die wichtigsten Anwendungen die hier über die Leitung gehen.  Außerdem braucht man als Mensch in so einer schwierigen Lebenssituation  einfach Dinge um sich zu während der oft wochenlangen Wartezeit sinnvoll  zu beschäftigen, oder sich von den teilweise schrecklichen Erfahrungen  einer Flucht aus einem Kriegsgebiet einfach mal abzulenken. Fernseher  sind verboten und Bücher gibt es nur vereinzelt und fast nur auf  Deutsch. Deutschlernen ist aber eigentlich nicht erlaubt. In der  Bayerische Asyldurchführungsverordnung zeigen die so genannten  christlichen Parteien ihr wahres Gesicht: Die Unterbringung „soll die  Bereitschaft zur Rückkehr in das Heimatland fördern“.

Um die Bedingungen zu verbessern wurde nach dem Motto der Freifunker  „Freies Netz für freie Bürger“ also geplant, programmiert und  gebastelt. Mitte November, kurz vor dem ersten Kälteeinbruch war es dann  wie geplant soweit: In allen Wohnhäusern wurden sogenannte Mesh-Router  auf dem Dachboden installiert, die das Internet per WLAN auf dem ganzen  Gelände verteilen. Nun ist es dank freier Software, einer Sachspende der  Firma „TourOne Systems GmbH“ [3] sowie etlichen Arbeitsstunden ehrenamtlicher „Hacker“ möglich freies Internet ganz ohne  Passwortschutz auch in den Schlafräumen und den Familienunterkünften zu  benutzen.

„Leider ist es in Deutschland fast unmöglich ein offenes Netz zu  betreiben. Das Problem hier ist die äußerst fragwürdige Auslegung der  Störerhaftung [5].“ erklärt Wunschik. „Deshalb haben wir auch in Cafés,  Hotels usw. immer diese nervenden Zugangsbeschränkungen und keiner traut  sich sein Internet mit seinem Nachbarn zu teilen, während in anderen  Ländern die flächendeckende offene, kostenlose Internetversorgung immer  weiter ausgebaut wird [6], [7]. Es wird Zeit, dass dieses Geschenk an die  Anwalts-Lobby endlich abgeschafft wird und wir die freie Kommunikation  endlich als das sehen was sie ist: Eine Infrastrukturmaßnahme die so  wichtig ist wie Straßen- oder Stromnetze. Skandinavien, Spanien und  Portugal haben das auch schon längst verstanden.“

Die Freifunk Bewegung ist bereits in vielen Städten aktiv [8] und will  nun auch in Franken den Ausbau freier Internet-Infrastruktur  vorantreiben. Jeder, der sich beteiligen möchte kann sich gerne melden  und z.B. einfach selbst ganz risikofrei einen Freifunk-Knoten betreiben.  Kontaktdaten findet man natürlich im Internet:  http://www.freifunk-franken.de


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